Chronische Schmerzen: Sehr hoher Behandlungsbedarf

Berlin, 8. Juni 2018. „Noch immer warten Patienten mit chronischen Schmerzerkrankungen auf eine Verbesserung ihrer Versorgungssituation. Noch immer dauert es im Schnitt vier Jahre bis ein Patient eine geeignete Therapie findet. Trotzdem treten die Verantwortlichen von Politik und Gemeinsamer Selbstverwaltung weiter auf der Stelle. Wir brauchen endlich neue schmerzmedizinische Versorgungsstrukturen in Deutschland“, erklärte Prof. Dr. Dr. Joachim Nadstawek, Vorsitzender des Berufsverbands der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e.V. (BVSD) heute im Rahmen des 9. BVSD-Kongresses in Berlin. Der BVSD adressierte seine Forderung nach der Einführung einer schmerzmedizinischen Bedarfsplanung auch an den Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Dr. Ralf Brauksiepe, der an dieser Veranstaltung teilnahm.

„Der schmerzmedizinische Handlungsbedarf ist klar und eindeutig: 3,4 Millionen Patienten mit schweren und hochproblematischen chronischen Schmerzen mit psychischen Beeinträchtigungen stellte das Bundesversicherungsamt für das Jahr 2016 fest. Nur 1.206 ambulant tätige Schmerzspezialisten sind schlicht zu wenig, um den eklatanten Versorgungsbedarf zu decken. Deshalb muss in die Zukunft der Schmerzmedizin investiert werden“, sagte Nadstawek. Dazu gehöre auch die Einführung einer Bedarfsplanung Schmerzmedizin.
„In Deutschland existiert kein Facharzt für Schmerzmedizin und daher keine schmerzmedizinische Bedarfsplanung, weil sich die aktuelle Bedarfsplanung zur vertragsärztlichen Versorgung an den bestehenden Facharztgruppen orientiert. Hier müssen neue Wege beschritten werden“, so der BVSD-Vorsitzende.

Der BVSD spricht sich hierbei für Lösungsansätze aus, die die Schmerzmedizin aufgrund der bestehenden schmerzmedizinischen Qualitätskriterien (u.a. Zusatz-Weiterbildung gemäß Muster-Weiterbildungsordnung, Vereinbarung von Qualitätssicherungsmaßnahmen nach § 135 Abs. 2 SGB V zur schmerztherapeutischen Versorgung chronisch schmerzkranker Patienten) bei einer zukünftigen Bedarfsplanung über eine Subspezialisierung bzw. eigene Arztuntergruppe ausweist.

Nadstawek: „Mit der Einführung einer schmerzmedizinischen Bedarfsplanung kann langfristig der Versorgungsbedarf sichergestellt werden und somit ein weiteres Ausdünnen der schmerzmedizinisch tätigen Vertragsärzte verhindert werden. Die dringend notwendigen motivierenden Anreize für den Nachwuchs können so gesetzt werden“. Ansonsten drohe die schmerzmedizinische Versorgung durch den fehlenden ärztlichen Nachwuchs bald „völlig aus dem Ruder zu laufen“.

Der BVSD mahnte seit langem die Sicherstellung einer bislang nicht gegebenen flächendeckenden schmerzmedizinischen Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen in Deutschland an. Mehrmalige Versuche über die Politik und die Gemeinsame Selbstverwaltung zu Lösungen zu kommen, hätten bislang zu keinen durchgreifenden Veränderungen geführt, so Nadstawek.

Pressekontakt: Wolfgang Straßmeir, Tel. 030 / 2 88 67 260, ws@bvsd.de